Infoblatt 02/2019: FNR & Nachwachsende Rohstoffe

Marktstudie Büroartikel

Nachwachsende Rohstoffe – Marktstudie offenbart große Auswahl an pflanzenbasierten Produktalternativen für Büroarbeitsplätze

Wer Produkte fürs Büro aus begrenzten und erdölbasierten Rohstoffen ersetzen möchte, kann auf eine große Produktauswahl auf der Basis von Pflanzen zurückgreifen. Alle rd. 200 vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag der FNR ermittelten Produkte sind über „Die nachwachsende Produktwelt“ verfügbar und können von öffentlichen und privaten Konsumenten dort inklusive Anbieterangaben recherchiert werden.

Zielstellung der Marktstudie „Nachhaltige bio-basierte Büroartikel, Gütezeichen, Hersteller und Bedarfe der öffentlichen Hand“ war die Ermittlung der tatsächlich beschafften Produkte im öffentlichen Sektor und die Gegenüberstellung mit biobasierten Produktalternativen. Produktlücken sollten ermittelt, Innovationspotenziale erschlossen und weitergehende Handlungsansätze für eine stärkere Etablierung biobasierter Büroartikel aufgezeigt werden.

Mit dem Blick auf die verschiedenen Produktgruppen konnte das IÖW bei seinen Recherchen feststellen, dass in den Kategorien „Papier und Umschläge“ sowie „Ordnersysteme“ für alle beschaffungsrelevanten Warengruppen biobasierte Produktalternativen existieren. In der Kategorie „Stifte und Schreibwaren“ besteht eine Abdeckung zu 75 % und in der Kategorie „Bürobedarf“ stehen 60 % der Produkte auch aus nachwach-senden Rohstoffen zur Verfügung.

In der Abfrage hat sich gezeigt, dass die Beschaffungsstellen mehrheitlich bei Rahmenverträgen im Standard-Büroartikelsortiment nach ökologischen Anforderungen aus Gütezeichen fragen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um den Blauen Engel. Erst danach kommen FSC und PEFC sowie das EU-Label in Betracht. Noch relativ selten werden Vorgaben gemacht, die sich auf die Materialeigenschaft „nachwachsender Rohstoff“ beziehen.

Fehlende Nachfrage, Umfang und zeitliche Bindung von Rahmenverträgen im öffentlichen Sektor machen es der Anbieterseite schwer, in das Geschäft mit der öffentlichen Hand einzusteigen. Der etablierte Großhandel stellt gewohnheitsmäßig für Rahmenverträge der öffentlichen Hand die preiswertesten Produkte zusammen, um den Zuschlag zu erhalten. Eine Chance haben die meist kleinen und mittleren Anbieter (KMU) aus dem Segment biobasierter Produkte in der PSB-Branche (Verband Markenindustrie/Büroartikelbranche) vor allem über Einzellose und wenn Besteller oder Bedarfsträger über Bedarfsmeldungen versuchen, Einfluss auf die Materialeigenschaft zu nehmen.

Mehrfache Zertifizierung erforderlich

Unter den Gütezeichen legt der Blaue Engel einen Schwerpunkt auf Recyclingprodukte. Bei den Produkten, die aus Holz sind oder über Holzanteile verfügen, muss die Herkunft aus nachhaltiger Forstwirtschaft über ein zusätzliches Gütezeichen (PEFC oder FSC) nachgewiesen werden. Erst neuerdings werden im Bereich Schreibwaren mit dem UZ 200 auch biobasierte Kunststoffe über den Blauen Engel erfasst. Der Anteil und die nachhaltige Herkunft nachwachsender Rohstoffe muss aber auch hier über ein weiteres Gütezeichen bestätigt werden. Bisher verfügt erst ein Produkt mit Anteilen aus nachwachsenden Rohstoffen über dieses Zertifikat.

Beschaffungsvolumen gezielt für Ressourcenschonung einsetzen

Im Rahmen ihres Auftrags hat das IÖW anhand der Befragung von Bundesbehörden, Ländern und Kommunen hochgerechnet, dass der öffentliche Sektor mehr als 95 Mio. Euro pro Jahr für die Büroartikelbeschaffung ausgibt. Damit ist nichts über die Qualität oder die Nachhaltigkeit der eingekauften Waren ausgesagt. Dieses Budget könnte zielgerichtet auch für nachhaltige, pflanzenbasierte, rohstoffschonende Produkte ausgegeben werden, die obendrein während der Nutzungsdauer CO2 gebunden halten.

Wer sich für pflanzenbasierte Produkte fürs „Büro“ interessiert, findet unter „Das nachwachsende Büro“ weitergehende Informationen und interessante Produkte.

Die Marktstudie wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) ausgeschrieben und beauftragt. Die Marktstudie steht hier http://www.fnr-server.de/ftp/pdf/berichte/22002917.pdf zur Verfügung.

Kollage: Büroprodukte aus Holz, Bioplastik und sogar ein ganzes Büro auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen , Quelle: von links/oben: FNR/Wildermann, Gerhardt Kellermann, FNR/Nast, FNR/Wildermann, FNR/Stelter
Büroprodukte aus Holz, Bioplastik und sogar ein ganzes Büro sind auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen möglich. Quelle: von links/oben: FNR/Wildermann, Gerhardt Kellermann, FNR/Nast, FNR/Wildermann, FNR/Stelter

Das nachhaltige Produkt im standardisierten öffentlichen Einkauf

Unsere Einkaufswelt soll nachhaltiger werden. Deswegen adressiert die Politik Wünsche in Richtung öffentliche Beschaffung und das Vergaberecht räumt entsprechende Möglichkeiten ein. Der Klimawandel macht den nachhaltigen Konsum für uns alle zur dringenden Aufgabe.

Doch nachhaltige Produkte sind oftmals erklärungsbedürftig. Sie passen nicht in unsere gewohnten Einkaufsmuster – egal ob im öffentlichen oder privaten Konsum. Das gilt auch für pflanzenbasierte Produkte, die konventionelle und erdölbasierte Produkte ersetzen und damit wertvolle begrenzte Rohstoffe schonen können. Sie halten während ihrer Nutzungsphase CO2 gebunden, haben Anteil an unserer Versorgungssicherheit und schaffen zukunftsweisende Arbeitsplätze.

Wir wünschen uns Sicherheit und deswegen erfreut sich der Blaue Engel als Umweltzeichen bei privaten und öffentlichen Konsumenten großer Beliebtheit. Doch der Blaue Engel als staatliches Umweltzeichen zeichnet in erster Linie energieeffiziente und recycelte sowie schadstoffarme Produkte aus. Neuerdings und erst bei wenigen Produkten wird die Materialeigenschaft „nachwachsender Rohstoff“ ausgezeichnet. Die nachhaltige Rohstoffquelle muss dann aber stets durch ein weiteres Gütezeichen nachgewiesen werden. Mit der zweifachen Zertifizierung sind hohe Kosten für die oftmals kleinen und mittleren Anbieterunternehmen (KMU) verbunden.

Weiterhin wird im Marktgeschehen immer noch der Preis mit Wirtschaftlichkeit gleichgesetzt. Schließlich würden wir sonst – trotz mancher moralischer Bedenken – nicht nach dem billigsten Produkt greifen. Die öffentliche Hand ist an dieser Stelle als Vorbild in ihrer Gesamtheit gefordert. Der einzelne Bedarfsträger/Einkäufer ist überfordert. Es bedarf klarer gesetzlicher Vorgaben und klar formulierter Mindestkriterien, wenn nachhaltiger Konsum – öffentlich und privat – funktionieren soll.

Aktuelle, durch die FNR beauftragte Studien der Uni Würzburg belegen, dass die Fokussierung auf den Einstandspreis den Konsum nachhaltiger Produkte behindert. Neben bürokratischen Hürden wird aber auch das mangelnde Interesse der öffentlichen Hand am nachhaltigen Produkteinkauf als Grund für die schleppende Umsetzung nachhaltiger Beschaffung im öffentlichen Sektor angesehen.

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), engagiert sich bereits seit 2010 mit dem Projekt „Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf“ für die Berücksichtigung pflanzenbasierter Produkte im öffentlichen Sektor und wirbt dafür, etwaige Umweltkosten im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung beim Produkteinkauf einzubeziehen. Dem gängigen konventionellen Segment der öffentlichen Hand stehen ausreichend pflanzenbasierte Produktalternativen zur Verfügung. In der „Nachwachsenden Produktwelt“ sind mehr als 5.000 Produkte und ihre Anbieter gelistet.

Im Rahmen der Beschaffungskonferenz 2019 findet am 19. September in Berlin ein Best-Practice-Dialog statt. Anbieter, Zeichengeber und interessiertes Publikum werden dort den Markt nachhaltiger Produkte und ihre Gütezeichen beleuchten, umweltschonende Herstellungsverfahren erörtern und die Möglichkeiten eines Einkaufs durch die öffentliche Hand diskutieren.

Weitere Informationen:
http://www.beschaffungskonferenz.de/de/node/ 777/program

Quelle: stockWERK/Fotolia
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