Infoblatt 01/2019: Topthema

Einkauf von Reinigungsmitteln und –dienstleistungen als Steuerungsinstrument für Umwelt und Gesundheit

Marktstudie der FNR offenbart umfangreiche Substitutionsmöglichkeiten von konventionellen Reinigungsmitteln durch Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen


Die FNR hat in einer Marktstudie die Beschaffungspraxis bei Bund, Ländern und Kommunen im Bereich Wasch- und Reinigungsmittel (WRM) analysiert. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, inwieweit die öffentliche Hand Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen berücksichtigt. Die Umweltkanzlei Dr. Rhein Beratungs- und Prüfgesellschaft mbH recherchierte dazu auch den Anbietermarkt. Im Ergebnis bietet dieser bereits heute eine große Vielfalt anteilig biobasierter Putzmittel. Bei Bund, Ländern und Kommunen spielen solche Produkte hingegen noch keine große Rolle. Als Ursachen dafür nennen die Autoren u.a. nicht vorhandene oder nicht ausreichend spezifische Nachhaltigkeitsanforderungen in den Ausschreibungen, keine umweltbezogenen Zuschlagskriterien, die dezentrale Beschaffungspraxis insbesondere in Kommunen und zu wenig Transparenz bei den Produkten selbst. 

Die im Rahmen der Studie recherchierten Reinigungsmittel wurden in die Datenbank www.die-nachwachsende-produktwelt.de aufgenommen, mit der sich die FNR in einem jeweils eigenen Bereich direkt an Beschaffer und an Verbraucher wendet. 

Die Umweltkanzlei erfasste die Bedarfe der öffentlichen Hand über Fragebögen stellvertretend beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), im Kaufhaus des Bundes (KdB) sowie in zehn Bundesländern und zwölf Kommunen unterschiedlicher Größe. Die ermittelten Daten sind nicht repräsentativ, zeigen aber Tendenzen auf.

Ein Großteil der eingesetzten WRM wird durch Reinigungsdienstleister beschafft, hier verfügen weder Bedarfsträger noch Beschaffer über Produkt- und Mengenangaben. Dort, wo die öffentlichen Einkäufer die WRM beschaffen, erfolgt dies oftmals dezentral und individuell.

Nach Angaben des KdB enthalten 13 Prozent seiner WRM nachwachsende Rohstoffe. Allerdings können Einkäufer diese Produkte oft nicht als biobasiert erkennen. Die Umweltzeichen, die ca. 25 Prozent der KdB-Produkte tragen, stellen keine Mindestanforderung an nachwachsende Rohstoffe.

Die Undurchsichtigkeit in punkto Rohstoffe liegt im WRM-Bereich teilweise an den Herstellern, die die Rezepturen ihrer Produkte nicht detailliert offenlegen. Die Studien-Autoren haben bei der Analyse des Anbietermarktes deshalb alle Produkte berücksichtigt, die in der reinigungs- bzw. funktionsbestimmenden Komponente nachwachsende Rohstoffe enthalten, ohne die Höhe des Anteils immer genau zu kennen. In den sieben untersuchten Produktgruppen mit insgesamt 46 Anwendungsgebieten konnten sie ein umfassendes Substitutionspotenzial der Komponenten mit Reinigungswirkung durch biobasierte Alternativen belegen. Das Potenzial besteht vor allem bei den Stoffgruppen Tenside, Lösemittel, Säuren und deren Salze. Rund 300 WRM-Produkte machten die Autoren ausfindig, die nachweislich anteilig biobasiert sind. Von Oberflächen- und Bodenreinigern über Sanitär-, Küchen- und Geschirrreiniger bis hin zu Textil-Waschmitteln und Hand- und Körperhygiene-Produkten reicht die biobasierte Palette. Sogar vereinzelte Autopflegeprodukte und Desinfektionsmittel auf biobasierter Basis gibt es. Die FNR hat diese Produkte mit ausführlichen Angaben zu Rohstoffen und Umweltgütezeichen in die Datenbank "Die Nachwachsende Produktwelt" aufgenommen. Beschaffer und Verbraucher können in der Datenbank nun insgesamt 277 WRM recherchieren. 

Die Autoren der Studie geben u.a. die folgenden Empfehlungen, um die Rolle biobasierter WRM in der öffentlichen Beschaffung zu stärken:

Bedarfsträgerseite:

  • Bereits in der Ausschreibung den Reinigungsprozess und die Art der zu verwendenden WRM incl. Nachhaltigkeitsanforderungen spezifisch für die jeweiligen Anwendungen definieren, auf Universalprodukte verzichten.
  • In den Ausschreibungen keine bestimmten Umweltzeichen direkt oder indirekt vorgeben. Gerade kleinere Anbieter, die aus Kostengründen auf Umweltzeichen verzichten, haben oft ökologisch sehr gute Produkte.
  • Bereits in der Ausschreibung festlegen, dass Reinigungsdienstleister auf die Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen kontrolliert werden, indem sie z.B. Mengenangaben und Nachweise über eingesetzte WRM erbringen müssen.
  • Gestaltung von separaten Losen mit hohen spezifischen Anforderungen, sodass auch Anbieter mit besonders nachhaltigen und innovativen Reinigungsprodukten eine Chance haben.
  • Bei den Zuschlagskriterien neben dem Preis zusätzlich qualitative, umweltbezogene oder soziale Kriterien berücksichtigen.
  • Bereitstellung von Muster-Ausschreibungen für Beschaffer.
  • Zentralisierung der Beschaffungsprozesse, vor allem auf kommunaler Ebene, um rechtliche, ökologische und fachbereichsspezifische Kompetenzen zu bündeln, hiermit lassen sich auch Kosten sparen.
  • Bedarfsträger frühzeitig in den Beschaffungsprozess einbinden.
  • Auf Bundesebene Aufnahme von mehr und eindeutig ausgewiesenen biobasierten Produkten ins Sortiment des KdB, insbesondere in den Bereichen Allzweckreiniger, Glasreiniger, manuelle Spülmittel und flüssige Handseifen (da hier die beschafften Mengen besonders groß sind)
  • Auf Landes- und kommunaler Ebene klare, schriftliche  Bekenntnisse der politischen Entscheidungsträger für die Beschaffung umweltfreundlicher Produkte, z. B. durch Landesregierung, Bürgermeister, Verwaltungsleiter oder die Kommunalvertretung.

Produktseite:

  • Normierung des Begriffs „biobasiert“ in Bezug auf WRM und gesetzliche Ausweisung von biobasierten WRM-Produkten, um ein einheitliches Verständnis und Transparenz zu schaffen.
  • Definition einheitlicher Leistungsparameter für Reinigungsprodukte, um Vergleichbarkeit herzustellen und Mengenkontrollen zu ermöglichen.

 

Hintergrund
Unter den anerkannten Umwelt-Gütezeichen fordert einzig der Blaue Engel für die Zertifizierung im Umweltzeichen (UZ) 194 (Handgeschirrspülmittel, Allzweck-, Sanitär und Glasreiniger), UZ 202 (Waschmittel) und UZ 203 (Shampoos, Duschgele und Seifen etc.) einen Mindestanteil nachwachsender Rohstoffe im Produkt. Bisher finden sich nur unter dem UZ 194 einige zertifizierte Produkte.

Die anderen anerkannten Umweltzeichen fordern allenfalls bei der Verwendung von Palmöl im Produkt einen Nachweis über den nachhaltigen Anbau. Andere Zertifikate benennen lediglich biobasierte Anteile am Produkt, diese sind jedoch keine Voraussetzung der Zertifizierung.
Das Vorhandensein nur weniger zertifizierte Produkte mag dem Umstand geschuldet sein, das KMU weder über die personellen noch finanziellen Mittel für kostspielige und aufwändige Zertifizierungen verfügen. Aber auch biobasierte Produkte ohne Umweltgütezeichen können hervorragende Reinigungseigenschaften haben.

Produktlücken im Bereich WRM gibt es kaum: Insbesondere kleine, innovative Firmen haben Reinigungsmittel aus nachwachsenden Rohstoffen im Sortiment. Quelle: Creatix - Fotolia
Umweltaspekte, gute Verträglichkeit und biologische Abbaubarkeit sind Vorteile bei Reinigungsmitteln aus nachwachsenden Rohstoffen. Quelle: Creatix - Fotolia
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Die nachwachsende Produktwelt. Quelle: FNR
Siegel "Der Blaue Engel"
Ziel des FONAP ist es, den Anteil nachhaltig erzeugten Palmöls auf dem deutschen, österreichischen und Schweizer Markt schnellstmöglich signifikant zu erhöhen und gleichzeitig existierende Standards und Zertifizierungen zu verbessern.
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