Infoblatt 01/2018: Nachrichten & Interviews

Die umweltfreundlichsten Büros Deutschlands prämiert

Im Rahmen des „Sustainable Office Day“, dem Thementag rund um Nachhaltigkeit im Büro, wurden auf der Messe Paperworld die Gewinner des Wettbewerbs „Büro & Umwelt“ 2017 ausgezeichnet. Alle teilnehmenden Unternehmen und Einrichtungen bewiesen auch im 10. Wettbewerbsjahr wieder großes Engagement im Hinblick auf einen schonenden Umgang mit Ressourcen im Büroalltag. Aus den vielen guten Einsendungen wählte die Jury, in der auch ein Mitglied der FNR vertreten ist, u.a. die UmweltBank aus. So gilt dort bspw. beim Einkauf die Maxime: nicht der billigste Lieferant wird ausgewählt, sondern derjenige mit nachweislich nachhaltiger Ausrichtung auch im ökologischen und sozialen Sinne.

Im Anschluss zur Preisverleihung fiel in Frankfurt der Startschuss für den Wettbewerb "Büro & Umwelt" 2018. Bewerbungsschluss ist der 31. Mai 2018.

Informationen zum Wettbewerb

Preisträger des Wettbewerbs „Büro & Umwelt 2017“,
Foto: B.A.U.M. e.V.

Hannover belegt ersten Platz

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis würdigt u. a. Kommunen, die ihre Stadtentwicklung im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten vorbildlich nachhaltig gestalten oder in einzelnen Bereichen beispielhafte Nachhaltigkeitsprojekte erfolgreich umsetzen.
Bei den Großstädten belegte die Stadt Hannover den ersten Platz. Die Landeshauptstadt von Niedersachsen stützt sich dabei auf eine langjährige Tradition nachhaltiger Stadtentwicklung, auf einen starken Rückhalt in der Politik und der Zivilgesellschaft sowie auf ein modernes Verwaltungsmanagement. Sozial gerechte und inklusive Quartiere, eine klimaneutrale Stadtverwaltung, kulturelle Teilhabe an Programmen wie „Jugend lebt Stadt“ oder „UNESCO-City of Music“ sowie eine umfassende Förderung des Radverkehrs sind nur einige Beispiele.

Bei den Städten von mittlerer Größe gewann die Stadt Geestland den ersten Preis. Erst 2015 aus der Fusion der Stadt Langen und der Samtgemeinde Bederkesa entstanden, setzt Geestland auf eine kommunikative Nachhaltigkeitsstrategie. Der Bürgermeister hat sich zum Nachhaltigkeitsmanager weiterbilden lassen und in der Verwaltung wurden Verantwortliche zur Verankerung der Nachhaltigkeitsstrategie bestimmt.

Als nachhaltigste Kleinstadt setzte sich die Eifelgemeinde Nettersheim durch. Bereits in den 1980er Jahren stellte diese Kommune ihre ersten Weichen für eine nachhaltige Regionalentwicklung.

Weitere Informationen

Hannover – Best Practice Beispiel für gelebte Nachhaltigkeit
Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Wie weisen landwirtschaftliche Produkte eine nachhaltige Rohstoffquelle nach?

Für Holzprodukte gibt es anerkannte Gütezeichen, die die nachhaltige Waldbewirtschaftung belegen. Wie sieht das bei Produkten aus, die aus landwirtschaftlichen Rohstoffen gefertigt sind? Welche Gütezeichen belegen hier die nachhaltige Rohstoffquelle? Wir haben Dr. Norbert Schmitz, Geschäftsführer von ISCC System GmbH, befragt. Das ISCC-Zertifikat ist als Typ 1-ähnliches Gütezeichen anerkannt. Die Entwicklung des Zertifizierungssystems ISCC wurde mit Unterstützung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) entwickelt.

1. Was bedeutet ISCC PLUS und warum ist es relevant für die öffentliche Beschaffung?
ISCC PLUS wird für die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe verwendet. Gerade bei biobasierten Kunststoffprodukten oder auch Papieren aus landwirtschaftlichen Reststoffen gewinnt das Gütezeichen an Bedeutung, wenn es darum geht Nachhaltigkeit nachzuweisen. Daneben gilt der Standard ISCC EU für Biokraftstoffe.

ISCC (International Sustainability and Carbon Certification) ist ein Zertifizierungssystem für nachhaltige und entwaldungsfreie Wertschöpfungsketten. Es wird vor allem in der Landwirtschaft und den nachfolgenden Wertschöpfungsstufen eingesetzt. Seit der Gründung in 2010 wurden mehr als 17.000 Zertifikate für Unternehmen und deren Produkte in über 100 Ländern ausgestellt. Mit der Beschaffung ISCC PLUS zertifizierter Produkte kann gezielt ein Beitrag zum Schutz von Artenreichtum und Kohlenstoffsenken und damit zur Förderung nachhaltiger Produkte geleistet werden. Hier kann die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen.

2. Welche Anforderungskriterien müssen Hersteller bzw. ihre Produkte erfüllen?
ISCC zertifizierte Unternehmen müssen einen anspruchsvollen Katalog von ökologischen und sozialen Kriterien erfüllen. Bei landwirtschaftlichen Rohstoffen muss z.B. sichergestellt sein, dass diese

  • nicht auf Flächen produziert werden, die nach Januar 2008 gerodet wurden,
  • die gute fachliche Praxis eingehalten wird oder
  • soziale und arbeitsrechtliche Aspekte insbesondere bei Importen aus Drittländern berücksichtigt werden.

Die Rückverfolgbarkeit wird durch die Zertifizierung aller Elemente der Wertschöpfungskette und durch ein ausgeklügeltes System der Massenbilanzierung gewährleistet. Darüber hinaus werden im ISCC System die Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette ermittelt. Dies ermöglicht es, bestimmen Produkten „Carbon Footprints“ zuzuordnen. Einkäufer haben damit die Möglichkeit, besonders klimafreundliche Produkte auszuwählen.
Die Einhaltung der Anforderungen wird weltweit durch mehr als 600 Auditoren von 32 Zertifizierungsstellen, die mit ISCC kooperieren, überprüft.

3. Für welche Produkte/-gruppen kommt das Gütezeichen in Frage?
Das Gütezeichen ISCC PLUS wird bereits in verschiedenen Märkten für unterschiedlichste Produkte eingesetzt. Aktuell zeigt sich eine starke Zunahme des Interesses bei biobasierten Kunststoffen, hier ist ISCC international führend. Biobasierte Kunststoff-Granulate kommen in unterschiedlichsten Anwendungen zum Einsatz. ISCC ist vom Blauen Engel für Kunststoff-Granulate, die bei Schreibgeräten und Stempeln Verwendung finden, anerkannt.

4. Kann ein öffentlicher Einkäufer die zertifizierten Unternehmen öffentlich einsehen?
Ja, ISCC ist ein transparentes System. Auf unserer Website sind alle Zertifikate veröffentlicht. Das erleichtert den Unternehmen den Aufbau von nachhaltigen Wertschöpfungsketten und fördert den Handel mit zertifizierten, nachhaltigen Produkten.

5. Welchen Beitrag leistet ISCC zur Reduzierung von Treibhausgasen (THG)?
ISCC leistet einerseits einen Beitrag zum Schutz von Kohlenstoffsenken und fördert andererseits auch die Entwicklung von Produktionsverfahren, die zu einer Reduzierung von THG-Emissionen führen. Hier sind in den vergangenen Jahren beachtliche Fortschritte erzielt worden. Die Nachhaltigkeitszertifizierung hat sich hier zu einem Innovationstreiber entwickelt. Unternehmen arbeiten gezielt daran, den Carbon Footprint ihrer Produkte zu senken. Die Carbon Footprints von ISCC-zertifizierten Unternehmen sind vergleichbar, da sie alle nach der gleichen Methodik mit einem klaren Regelwerk berechnet worden sind.

Norbert Schmitz
Fotos: ISCC - Global Sustainability Conference
Norbert Schmitz
Fotos: ISCC - Global Sustainability Conference
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